Bis ins tiefe 19. Jahrhundert reicht die Geschichte des legendenumwobenen Grundstücks zurück, auf dem seit 1873 die Villa Teresa steht. Auf gut sächsisch "Heibsch" oder hochdeutsch "Heubusch" wird von den Einheimischen der Hügel genannt, auf dessen höchster Stelle der Torgauer Pfarrer Gustav Theodor Kessler sein von ihm "Eremitage" genanntes Refugium errichten ließ. Dort wo heute fast hochwaldartig über hundertjährige Ulmen, Eichen, Robinien und Ahornbäume den schattigen englischen Garten bilden, standen zu Kesslers Zeiten in bester Südhanglage alte Elbling-Weinstöcke. Aus den Fenstern der Villa bot sich den Bewohnern ein südländisch anmutender Blick auf die Elbauen und die linkselbischen Höhen mit den Schlössern Gauernitz und Scharfenberg.
Theodor Kessler bewohnte die 1874 fertiggestellte Villa nur wenige Monate, nach seinem mysteriösen Tod wechselten die Besitzer in rascher Folge. Prominenter Nachbesitzer war u.a. der preußische Generalmajor Herwarth von Bittenfeld, der im preußisch-dänischen Krieg 1864 unter dem alten Haudegen General Wrangel Meriten gedient hatte. Vom Kriegsgetümmel gemütskrank geworden, ritt er vorwiegend des Nachts durch die Kötitzer Fluren. Seine unheimliche, stets vermummte Gestalt, hoch zu Roß, ist in Kötitz bald als "Reiter ohne Kopf" ein berüchtigter Kinderschreck. Schaurige Geschichten berichten die Eingesessenen über den unheimlichen Mitbewohner und die Villa, deren einsame, mauerumfriedete Lage auf weiter Flur zwischen den Dörfern Kötitz und Coswig Anlaß für Gerüchte und Vermutungen gibt, die bis heute überliefert sind.
1891 beginnen heitere und glanzvolle Jahre für das stattliche Haus.
Freunde machen den Pianisten und Komponisten Eugen dŽAlbert, der im Umfeld Dresdens auf der Suche nach einer gut und vor allem ruhig gelegenen Wohnung für sich und seine Familie ist, auf das leer stehende und preiswerte Grundstück aufmerksam.
Coswig verfügt bereits über einen Eisenbahnanschluß und ein Post- und Telegrafenamt, wichtige Voraussetzungen für ein Künstlerehepaar, dessen Konzertreisen für die nächsten drei Jahre von Coswig aus bis nach Amerika und Rußland führen werden. Im Juni 1892 heiratet Eugen dŽAlbert in London die elf Jahre ältere, aus Venezuela stammende Konzertpianistin Teresa Carreño. Eugen dŽAlbert steht zum zweiten Mal vor dem Traualtar, seine Gattin hat bereits zwei Ehen hinter sich und bringt zwei Kinder mit nach Coswig: Teresita und Giovanni. Gemeinsam mit dŽAlberts Sohn Wolfgang und den beiden 1892 und 1894 in Coswig geborenen gemeinsamen Töchtern Eugenia und Hertha toben zuletzt fünf Kinder durch das geräumige Haus. DŽAlbert, der das Haus einst wegen seiner ruhigen Lage schätzte, wird das tägliche Klavierspiel der Ehefrau Teresa, der Lärm der Kinder und Hausangestellten, die häufigen Besuche von Künstlerfreunden und Schülern bald zuviel, er errichtet für sich am äußersten Ende der Parkanlage, gut abgeschirmt gegen das geräuschvolle Wohnhaus, einen zweistöckigen Pavillon zum Komponieren.
Das Eheglück der beiden ungleichen Partner ist bald dahin. DŽAlbert, der sich zeitlebens nach einer
Eugen dŽAlbert und Teresa Carreño
E. dŽAlbert, T. Carreño
häuslichen und fürsorglichen Gattin gesehnt hat, kommt mit dem selbstbestimmten Wesen und südländischen Temperament seiner Frau immer weniger zurecht. Während ihrer monatelangen Konzertreisen bleibt das Haus verwaist, die Kinder sind sich selbst überlassen und werden von Dienstboten und Bekannten hin- und hergeschubst.
1895 wird die Ehe geschieden, dŽAlbert, seit längerem mit einer Opernsängerin liiert, nimmt eine Position als Hofkapellmeister in Weimar an, Teresa Carreño begibt sich mit den Kindern nach Berlin, von wo aus sie ihre Pianistenkarriere fortsetzt, erneut heiratet und 1917 nach einer Konzertreise in New York verstirbt. Eugen dŽAlbert, dessen Ruhm als Komponist in Coswig erst begann, erlebt ab 1903 den Welterfolg seiner Oper "Tiefland", die zu den meistgespielten Opern des 20. Jahrhunderts gehören wird. Er heiratet noch fünf weitere Frauen, komponiert zweiundzwanzig Opern, zwei Klavierkonzerte, viel Kammermusik und einige Lieder, die seiner dritten Frau gewidmet sind.
In Coswig bleiben Erinnerungen an die Besuche von Richard Strauss, Johannes Brahms, Carl Bechstein, Edvard Grieg und Ernst von Schuch zurück, ein Stück europäische Musikgeschichte ist von jener Zeit an eng mit Coswig und der Villa Teresa verbunden.
1896 verkauft Eugen dŽAlbert die Villa Teresa an den jungen Schweizer Rentier Paul Julius Matter. Paul Matter, ein weitgereister Globetrotter, stattet das Haus mit neuzeitlichem Komfort und allerlei technischen Kuriosa aus: Eine Windmaschine zur Stromerzeugung und ein zwanzig Meter hoher Wasser- und Aussichtsturm werden errichtet, ein neues, repräsentatives Treppenhaus mit Wintergarten und eine geräumige Parkterasse werden an die Villa angebaut. Den Park verzieren Volieren mit exotischen Vögeln, die, wenn sie das Zeitliche gesegnet haben, ausgestopft auf Konsolen im Herrenzimmer aufgestellt werden.
Mitten in der Parkanlage läßt Paul Matter einen über dreihundert Quadratmeter großen Gartenteich anlegen, der mit einem Japanischen Teehaus, einer Bogenbrücke und einem Miniaturbootshafen dem vermögenden Ehepaar Zerstreuung und Abwechslung bietet.
Nach dem ersten Weltkrieg scheinen die goldenen Jahre der Villa Teresa endgültig vorbei zu sein. Das Vermögen der Matters schmilzt in der Inflationszeit zusammen, schließlich muß das Ehepaar seinen Lebensunterhalt aus dem Verkauf von verbliebenen Vermögenswerten mehr recht als schlecht fristen. 1945 bleibt das Grundstück zwar von russischer Einquartierung verschont, unterliegt aber der staatlichen Wohnraumlenkung und ist bald bis unters Dach von Kriegsflüchtlingen und Ausgebombten belegt. Für die Hauseigentümerin bleibt das mit Mobiliar vollgestellte ehemalige Schlafzimmer und ein winziges Kämmerlein im Dachgeschoß. Mittel- und einflußlos muß die seit 1947 verwitwete, einstige Gesellschaftsdame mit ansehen, wie ihr gepflegtes Haus baufällig wird und der schöne Garten verwildert. Bis zu ihrem Tode lebt Elisabeth Matter vom Erlös ihres Hausrats, vom Verkauf des Laubs der Parkbäume und von spärlichen Rhododendronblüten, die sie den Coswiger Blumenläden zum Kauf anbietet.
Nach ihrem Tode 1961 wird der rechtliche Besitz zerstreut und das ins Eigentum der Stadt übergegangene Haus ab 1968 zu einem Sechsfamilienwohnhaus umgebaut. Dabei verliert die Villa ihre historischen Fassaden und das gesamte historische Interieur zugunsten einer am genormten Wohnungsbau orientierten Ausstattung.
Durch randalierende Jugendliche werden der Kompositionspavillon Eugen dŽAlberts, die Figur der "Flora" am Teehaus und eine große Sandsteinvase in den siebziger Jahren zerstört. Das Teehaus, um 1970 sehr in Verfall geraten, kann durch den Einsatz beherzter Kötitzer Bürger gerettet werden. Die Parkanlage verwildert bis zur Unkenntlichkeit durch wild wuchernden Spitzahorn und Robinienaufwuchs.
Nur noch kümmerliche Reste der alten Parkanlage und der Sandsteinerker erinnern an bessere Tage, als im Sommer 1987, zum siebzigsten Todestag Teresa Carreños der Botschafter Venezuelas in der DDR eine Gedenktafel zur Erinnerung an die berühmte Bewohnerin des Hauses anbringen läßt.
Ideen zur Umgestaltung des Hauses und zur Wiederherstellung des Parks verlieren an Wichtigkeit, als 1989 in der DDR die Wende beginnt. 1995, der einstige Botschafter Venezuelas in der DDR ist inzwischen Botschafter seines Landes in Deutschland geworden, fragte er in Coswig an, wie die 1987 versprochene Sanierung der Villa vorangekommen sei. Diese Anfrage ist Initialzündung zur Gründung eines Fördervereins. Eine Nutzungskonzeption für eine Gedenkstätte und einen Kammermusiksaal wird angefertigt und schließlich im Jahr 2000 mit dem Umbau des Gebäudes begonnen.

Die aufwendige Wiederherstellung der historischen Fassaden zieht als logische Folge eine am historischen Vorbild orientierte Innengestaltung nach sich. Wiederhergestellt werden das Herrenzimmer, der Damensalon und die Bibliothek, das frühere Speisezimmer und der Große Salon, in der Mittelachse der Villa einst Treffpunkt für Musiker und Literaten um Eugen dŽAlbert und Teresa Carreño, wird als Kammermusiksaal eingerichtet.
Rund fünfzigtausend Euro hat der Förderverein für die Ausstattung der Räume gesammelt, mittlerweile sind für alle Räume historische Möbel und Ausstattungen beschafft. Kaum einer der zahlreichen Besucher erkennt auf den ersten Blick, daß er hier nicht in den originalen Wohnräumen Eugen dŽAlberts steht, sondern die Innenausstattung größtenteils aus anderen Villen und herrschaftlichen Wohnhäusern der Umgebung hierher übertragen wurde.

Neben Kammermusikabenden, Lesungen und kleinen Theaterstücken finden in den Räumen der Villa Teresa standesamtliche Eheschließungen, private und geschäftliche Feiern statt. Das Haus ist zu einer beliebten und weithin bekannten Veranstaltungsadresse geworden. Selbst aus dem ferneren Umland, aus Leipzig, Chemnitz oder Cottbus kommen Stammgäste nach Coswig, die das besondere Ambiente und die sorgfältig gehütete Tradition des Hauses schätzen und dafür weite Anfahrtswege in Kauf nehmen. In diesem Jahr veranstaltet die Coswiger Kulturbetriebsgesellschaft auch Abende mit Filmvorführungen, zwei Sommernachtsbälle und als Unterhaltungsknüller Olaf Böhmes "Mitternachtssachsen" im Juli unter den Bäumen des Parks.


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